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Wir als Ärzte...

AerzteGesellschaft des Kantons Zürich

Diese Artikel erschienen oder erscheinen auch im Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern am Albis und werden hier mit freundlicher Genehmigung der Redaktion und der Autorinnen und Autoren wiedergegeben.

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Altersguillotine

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Dr. med. Heiner Lachenmeier

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Altes Sprichwort: "Ein Arzt soll nicht älter als 39 Jahre alt sein, weil er sonst zu weit von seiner Ausbildung entfernt ist. Er soll aber auch nicht jünger als 40 Jahre alt sein, weil ihm sonst die Erfahrung fehlt."

Wenn ich vor 100 Jahren geboren worden wäre, dann hätte ich mit meinen 46 Jahren bereits die durchschnittliche Lebenserwartung überschritten. Heute ist meine Lebenserwartung als Mann mit 76,5 Jahren um 70% höher. Die Lebenserwartung der Frauen konnte noch mehr gesteigert werden. Das verdanken wir vor allem der stetigen Entwicklung des Gesundheitswesens.

In der Gesundheitspolitik wird angeregt, den Ärzten ab 65 Jahren das Führen einer Praxis zu verunmöglichen. Begründet wird dies mit Sparanstrengungen und mit der Behauptung, alte Ärzte wären nicht mehr up to date. Stimmt das?


Die Medizin hat unser höchstes Gut, das Leben, um 70 % verlängert


Die Verantwortung für die Qualität der Versorgung der Patienten ist Teil der ärztlichen Berufsidentität. Wir absolvieren zwei bis drei Arbeitswochen Fortbildungen, Jahr um Jahr, während der gesamten Zeitspanne unserer Praxistätigkeit. Dieses gerüttelte Mass an Fortbildung und die Erfahrung, die mit den Jahren kommt, führen eher zu einer günstigen Medizin. Je mehr Sicherheit ein Arzt hat, desto weniger unnötige Untersuchungen muss er veranlassen.

Bei der Altersguillotine wird gehofft, dass dadurch die Anzahl praktizierender Ärzte reduziert wird - und dass auf diese Weise Kosten gespart werden. Es ist als Auftakt zu sehen, auch jüngeren Ärztinnen und Ärzten die Berufsausübung zu versagen. Schauen wir uns diese Überlegung in breitem Zusammenhang an.

Die Gesundheitskosten steigen in der Statistik parallel zur Anzahl Leistungserbringer (Spitäler, freipraktizierende Ärzte, nicht-ärztliche Leistungserbringer). Die Schlagwörter Mengenausweitung und Ärzteschwemme machen die Runde. Trotzdem arbeiten die Ärzte in den Spitälern wie in den Praxen weit mehr als es den heute üblichen Arbeitszeiten entspricht. In vielen Spezialgebieten müssen Sie als Patienten lange Wartefristen in Kauf nehmen. Es fragt sich also, ob tatsächlich eine Überversorgung droht, oder ob wir nicht vielmehr in einer Phase sind, in welcher eine vormalige Unterversorgung sukzessive überwunden wird.

Die enorme Entwicklung der Medizin stellt viele neue Diagnose- und Behandlungsmassnahmen zur Verfügung. Damit diese im Dienste der Patienten auch angewendet werden können, müssen die entsprechenden Ärzte ausgebildet und einsatzbereit sein. Darin liegt ein weiterer Faktor für die Notwendigkeit der gesteigerten Ärztezahl. Ziehen Sie den Vergleich mit einem Auto. Vor 30 Jahren war es ein einfaches mechanisches Gerät, mit wenig Elektrik, ohne Elektronik. Heute kostet ein Auto vergleichbarer Klasse 3-4 mal soviel, die Wartung ist viel komplizierter und ebenfalls entsprechend teurer geworden.


Das Gesundheitswesen ist kein Anbietermarkt


Das Auftreten von Krankheiten richtet sich bekanntlich nicht nach der Anzahl Ärzte. Auch von diesem Blickwinkel her ist das Gesundheitswesen kein Anbietermarkt. Weitere Einflüsse aufs Gesundheitswesen bestehen von der Politik, den Versicherungen und nicht zuletzt auch von Patientenseite. So trägt selbstschädigendes Verhalten wie Rauchen, übermässiger Alkoholkonsum, gefährliche Sportarten und unvernünftiges Verhalten im Strassenverkehr zur Nachfrage bei. - Das Gesundheitswesen hat viele Akteure.

Wir Ärzte stehen vor der Situation, dass wir mit unserer Arbeit dazu beitragen, dass wir alle gesünder leben können und älter werden. Paradoxerweise wird uns diese "Wertsteigerung" nicht positiv angerechnet, sondern wir sollen mit einem frühzeitigen Arbeitsverbot belegt werden. Kosten sind damit keine zu sparen. Solche Scheinmassnahmen verhindern die notwendigen Schritte für die im Gesundheitswesen tatsächlich notwendigen Umstrukturierungen.

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Letzte Änderung: 12.08.2001

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