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AerzteGesellschaft des Kantons Zürich

Diese Artikel erschienen oder erscheinen auch im Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern am Albis und werden hier mit freundlicher Genehmigung der Redaktion und der Autorinnen und Autoren wiedergegeben.

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Impfungen zur weltweiten Verbesserung der Gesundheit

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Dr. med. Herbert Vontobel

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Während der letzten Jahre stellte ich in der Praxis vermehrt fest, dass viele Eltern durch das Thema Impfen sehr verunsichert sind und ein Teil dieser Eltern die Kinder aus Angst vor Nebenwirkungen nicht mehr impfen lassen wollen. Die Unsicherheit ist in einem gewissen Grad verständlich, werden wir durch die Medien doch sehr oft mit negativen Berichten zum Thema Impfen konfrontiert. Diese Unsicherheit bewog mich, als Kinderarzt das Thema aufzugreifen.

Was ist eine Impfung?

Kurz gesagt ist eine Impfung eine gezielte Stärkung unseres Abwehrsystems, um den Körper vor gewissen Krankheiten zu schützen.

Unser Abwehrsystem muss sich täglich mit hunderten von Stoffen (chemische Verbindungen aber auch lebender Materie wie Viren und Bakterien), welche in unseren Körper gelangen, auseinandersetzen und unterscheiden, ob sie schädlich oder unschädlich sind. Wenn etwas von unserem Körper als schädlich erkannt wird, versucht der Körper, sich zu wehren. Reichen die Abwehrkräfte nicht aus, werden wir krank. Handelt es sich bei einer Krankheit um eine Grippe, ist das für uns meistens nicht so schlimm, erkranken wir aber an einer Kinderlähmung, können wir im schlimmsten Fall daran sterben oder unser Leben lang Lähmungen aufweisen. Damit unser Körper vor schweren Krankheiten und dauernden Behinderungen geschützt werden kann, möchten wir unser Abwehrsystem trainieren, das heisst Abwehrkräfte auf Vorrat produzieren. Die aktiven Grundimpfungen im Säuglingsalter entsprechen einem Grundausbildungsprogramm, die späteren Auffrischimpfungen einem Aufbautraining. Ohne Training bleibt auch unser Körper nicht fit.

Geschichtlicher Hintergrund

Die Erkenntnis, sich durch Ansteckung mit einem verwandten abgeschwächten Erreger vor der wirklichen Krankheit zu schützen, ist eine geniale Errungenschaft der Medizin und die Erkenntnis stammt nicht etwa aus dem letzten Jahrhundert, sondern ist bereits über 200 Jahre alt. 1774 steckte der englische Viehzüchter Jesty seine Familie anlässlich einer drohenden Pockenepidemie absichtlich mit der für Menschen ungefährlichen Kuhpocken an und die Familie überlebte die Pockenepidemie. Jenner gelang 1796 die erste experimentelle Impfung mit Kuhpocken und der Nachweis einer Kreuzreaktion zwischen Kuhpocken und Pocken. Erst 120 Jahre später erfolgte in Deutschland die erste Massenimpfung gegen Pocken, nachdem bei einer Pockenepidemie 1871 bis 1873 100`000 Menschen starben. 1926 waren die Pocken in Deutschland ausgerottet und 1978 der weltweit letzte Pockenfall in Somalia registriert worden. Seither sind die Pocken weltweit ausgerottet. 1881 gelang es Pasteur erstmals, einen Krankheitserreger abzuschwächen, das heisst so zu züchten, dass er im menschlichen Körper keine Krankheit mehr auslösen konnte und der Körper sich trotzdem dagegen wehrte und beim Kontakt mit dem richtigen Krankheitserreger nicht mehr krank wurde. Nach und nach wurden neue Krankheitserreger oder deren Giftstoffe entdeckt und Impfstoffe dagegen entwickelt.

(1906 Entdeckung des Keuchhustenerregers und 1926 erster Keuchhustenimpfstoff, 1927 Starrkrampfimpfstoff, 1955 erste Massenimpfung gegen Kinderlähmung in den USA und später in Europa. Die Schweiz wurde 1959 von der letzten Kinderlähmungsepidemie heimgesucht. Nach der generellen Einführung der Schluckimpfung gegen Kinderlähmung gingen die Poliofälle schlagartig zurück. Seit 1982 ist die Schweiz poliofrei.)

Die grössten Fortschritte wurden während der vergangenen 60 Jahren erzielt, indem es möglich wurde, immer besser wirksame und zugleich auch verträglichere Impfstoffe herzustellen und die Impfstoffe miteinander zu kombinieren, ohne das die Wirkung der einzelnen Komponenten eingeschränkt wurde.

Aktueller Impfplan in der Schweiz

Der Schweizerische Impfplan ist praktisch identisch mit allen anderen Impfplänen auf der ganzen Welt und wird in dieser Art von der Weltgesundheitsorganisation WHO vorgeschlagen.

Heute werden mit dem Schweizerischen Impfplan 9 Krankheiten bekämpft (Tetanus, (Starrkrampf,)

Diphtherie, Pertussis (Keuchhusten) Hämophilus Influenza, Poliomyelitis, (Kinderlähmung), Masern, Mumps, Röteln und Hepatitis B). Ihr Arzt berät sie gerne über die einzelnen Impfungen und deren zeitliche Durchführung.

Nebenwirkungen

Die zum Teil geschürte Angst vor Nebenwirkungen der Impfungen trägt heute in hohen Masse zur Verunsicherung der Bevölkerung bei. Durch den grossen Erfolg der Impfungen werden die Krankheiten so selten, dass wir heute kaum je bleibende Behinderungen durch diese Krankheiten sehen und viele Leute gar nicht mehr wissen, weswegen wir eigentlich impfen. Wir wiegen uns heute in einer völlig falschen Sicherheit, was wir vielleicht später teuer bezahlen. Diphterie kennen wir in der Schweiz dank der Impfung seit Jahrzehnten nicht mehr. Wenn die Impfprogramme aber nicht mehr durchgeführt werden (können), flackern die Krankheiten wieder auf, wie zum Beispiel die Diphtherieepidemien in Russland. Jede dem Körper zugeführte Substanz kann unter Umständen Nebenwirkungen erzeugen. Noch immer erinnere ich mich an die Pharmakologievorlesung bei Professor Waser, als er sagte, ein Medikament ohne Nebenwirkung hat auch keine Hauptwirkung. Es ist aber sehr wichtig, dass wir die Nebenwirkungen differenziert betrachten und uns immer wieder vergewissern, dass Nutzen und mögliche Risiken einer Massnahme im richtigen Verhältnis zueinander stehen. Jede Impfung löst im Körper eine Reaktion aus, was sich manchmal mit etwas Fieber, Schmerzen oder Rötung an der Impfstelle äussern kann. Schwere Nebenwirkungen oder bleibende Schäden sind extrem selten und man muss sich immer vor Augen halten, wie die Häufigkeit der bleibenden Schäden dieser Krankheiten aussehen würden, wenn wir nicht mehr impfen würden. Statistiken aus dem Bundesamt für Gesundheitswesen geben uns klar darüber Auskunft, denn schwere Infektionskrankheiten und Impfkomplikationen müssen gemeldet werden.

Vor der Einführung der Masernimpfung erkrankten von 1000 Masernerkrankten 1 Patient an einer schweren Hirnentzündung, das heisst, dass ohne Impfung in der Schweiz 50 - 80 Masern-Hirnentzündungen pro Jahr auftreten würden. Diese Patienten sind früher an diesen Komplikationen gestorben oder blieben für das weitere Leben behindert. Erst letztes Jahr hat eine kleine Masernepidemie in Holland bei nicht geimpften Personen diese Zahlen eindrücklich bestätigt. Heute muss man auf 1 Million Masernimpfungen mit 1 Hirnentzündung rechnen, die Impfung ist also 1000 mal sicherer.

Aus der Statistik des Bundesamtes für Gesundheitswesen BAG zwischen 1991 und 1996 geht hervor, dass auf 4,3 Millionen Kinderlähmungsimpfungen 34 Impfreaktionen gemeldet wurden. (0,8 Meldungen auf 100 000 Impfungen). Es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, auf alle Impfungen und deren Nebenwirkungen detailliert einzugehen. Ich hoffe aber, dass ich mit diesen wenigen Zahlen doch eine gewisse Klarheit über die wirkliche Häufigkeit der Nebenwirkungen vermitteln konnte.

Ich persönlich finde es ausgesprochen wichtig, dass wir die Eltern über Nutzen und Risiken der Impfungen genau informieren, dass wir Nebenwirkungen möglichst sicher erfassen und auch weiter melden, um mitzuhelfen, dass die Impfprogramme laufend verbessert werden können. Es ist wichtig, dass wir mit Fakten arbeiten und nicht zum Teil unbegründete Ängste schüren.

In diesem Zusammenhang darf die Tatsache nicht verschwiegen werden, dass Kombinationsimpfungen keine höhere Nebenwirkungsrate aufweisen als Einzelimpfungen und es so auch aus ökonomischen Gründen nicht sinnvoll ist, vermehrt Einzelimpfungen zu applizieren (der Patient ist auch dankbar, wenn er nicht noch mehr Stiche erhält).

Fazit

Man kann immer darüber diskutieren und verschiedener Meinung sein, gegen wieviele Krankheiten und wann man impfen soll und was man alles verhindern möchte.

Eine Tatsache ist unbestritten: Die Impfungen gehören weltweit zu den kosteneffektivsten und am häufigsten angewandten Massnahmen im öffentlichen Gesundheitswesen. Es ist die Prävention schlechthin. Neben der Sanierung des Trinkwassers gelten die Impfungen weltweit als 2. wichtigster Faktor zur Senkung der Sterberate. Durch das Verhindern dieser Infektionskrankheiten oder deren Komplikationen können die Gesundheitskosten massiv gesenkt werden. Ein Aspekt, welcher in unserer Zeit häufig vergessen geht, ist die soziale Komponente dieser Massnahmen. Eine Impfung bietet dem einzelnen Individuum einen Schutz; wenn möglichst alle an einer Impfkampagne mitmachen, ist der Schutz der ganzen Bevölkerung gewährleistet. Ausserdem tragen wir dazu bei, dass diese Krankheiten nicht in ärmere Länder verschleppt werden, wo noch nicht alle Personen geschützt werden konnten.

Wir sollten nicht leichtfertig auf ein so kostbares Gut verzichten und ich hoffe nicht, dass wir unsere heutige zum Teil mangelhafte Impfdisziplin eines Tages werden bereuen müssen.

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Letzte Änderung: 12.08.2001

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