Hausarztvertretungen durch Spitalärzte

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AerzteGesellschaft des Kantons Zürich

Diese Artikel erschienen oder erscheinen auch im Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern am Albis und werden hier mit freundlicher Genehmigung der Redaktion und der Autorinnen und Autoren wiedergegeben.

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Hausarztvertretungen durch Spitalärzte

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Dr. med. Martin Kehrer

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Seit Jahrzehnten bestehen im Säuliamt recht enge Kontakte zwischen den Spitalärzten und den Ärzten in freier Praxis. Vereint in der regional überblickbaren „Ärztegesellschaft des Bezirkes Affoltern“ bestehen viele kameradschaftliche Verbindungen, die das berufliche Umfeld - unter anderem an der Schnittstelle zwischen Spital und hausärztlicher Betreuung - wesentlich erleichtern. Dies bringt für die Patienten viele Vorteile. Einer davon - Vertretung eines Hausarztes durch Spitalärzte - soll in diesem Artikel genauer erläutert werden.

Für selbständige Ärzte mit eigener Praxis stellt sich bei Abwesenheit für Fortbildung, Ferien, Krankheit oder Militär jeweils die Frage, ob die Praxis für diese Zeit geschlossen wird oder ob ein Praxisvertreter die Betreuung der Patienten aufrecht erhalten soll. Bereits unter Dr. med. Peider Mohr, dem früheren Chefarzt des Bezirksspitals, wurden schweizweit erstmals Ferienvertretungen durch Assistenzärzte/-innen des Bezirksspitales ermöglicht. Dieses wertvolle System hat in der Zwischenzeit einige Nachahmungen gefunden , da es sowohl für die Patienten, die abwesenden Praktiker, wie auch für die Assistenzärzte wertvolle Vorteile bringt.

Die leitenden Ärzte und Ärztinnen des Bezirksspitals können aufgrund ihrer Beobachtungen der Arbeitsweise eines Assistenzarztes über dessen Ausbildungsstand und Erfahrung ein gutes Urteil abgeben und entscheiden, ob dem Assistenzarzt oder der Assistenzärztin - und den betroffenen Patienten! - eine selbständige Tätigkeit in einer Praxis zugemutet werden kann. Zur Sicherheit hat der Praxisvertreter bei fachlichen Fragen oder Unsicherheiten die Möglichkeit, sich während der Vertretungszeit und Unerreichbarkeit des Praxisinhabers auch immer an seine Vorgesetzten im Spital zu wenden. Dadurch bleibt die Betreuungsqualität gewährleistet, was für den abwesenden Hausarzt beruhigend und für dessen Patienten von entscheidender Bedeutung ist.

Die Vertretung eines Hausarztes durch Spitalärzte hat viele Vorteile

Aus dem regelmässigen Kontakt zwischen den einweisenden Ärzten, den Berichten über hospitalisierte Patienten und aus der gemeinsamen, wöchentlichen Fortbildung kennen sich die beteiligten Ärzte bereits. Anlässlich einer Einführung werden dem vertretenden Spitalarzt die Praxis gezeigt und praxisspezifischen Abläufe erklärt. Bei dieser Gelegenheit werden auch Informationen über Patienten mit ernsthaften Erkrankungen, zu beachtende Entwicklungen oder sonstige Eigenheiten gefährdeter Patienten weitergegeben, die dem Vertreter erlauben, die Betreuung im bisherigen Sinn weiterzuführen. Für die Konstanz der Begleitung sind auch die medizinischen Praxisassistentinnen unerlässlich, da diese aufgrund ihrer wichtigen Mitbetreuung ebenfalls viel Kenntnis über die Patienten haben. Mit diesem System können Hausarztvertreter und Praxisteam den Berufsalltag und die gelegentlichen Notfälle in der Regel bestens bewältigen und für Kontinuität in der Patientenbetreuung sorgen. Genau deshalb wird unter anderem von vielen Patienten eine Privatpraxis bevorzugt - im Gegensatz zu den Polikliniken mit ständig wechselnder Betreuung. Als Praxisinhaber schätze ich auch ausserordentlich, dass am ersten Tag nach längerer Abwesenheit nicht eine erdrückende Fülle unerledigter Arbeiten den Arbeitsbeginn erschwert.

Die Kontinuität der Patientenbetreuung bleibt gewahrt

Für die Assistenzärzte/-innen in Weiterbildung besteht während der Praxisvertretung die ausgezeichnete Möglichkeit, Einblick in den Alltag eines Praktikers zu erhalten. Im Laufe des traditionellen Universitätsstudiums bis zum Staatsexamen kommt dieser Aspekt sicher zu kurz, da die Ausbildung durch Professoren und Spitalärzte anhand von hospitalisierten Patienten und deren Problemen erfolgt. Diesbezüglich lernt der angehende Arzt hauptsächlich die Krankheitsbilder kennen, die Behandlungen im Spital benötigen und die er auch künftig überweisen muss. Kleinere, alltägliche Erkrankungen, ambulant behandelbare Krankheiten oder Verletzungen sieht er dabei zu wenig und diese beanspruchen doch mehr als 90% der üblichen Hausarzttätigkeit. Für einen eigenständigen Praxisbetrieb sind zusätzlich auch Kenntnisse über Versicherungsprobleme, Personalführung und betriebswirtschaftliche Fragen von wichtiger Bedeutung. Der Praxisvertreter erfährt zudem sehr realistisch, was es heisst, ausserhalb der Sprechstundenzeiten für seine Patienten erreichbar zu sein. Er erlebt auch, wie schwierig es sein kann, ohne die technischen Möglichkeiten des Spitals zu richtigen Beurteilungen zu kommen. Hauptsächlich bei Hausbesuchen muss er mit bescheidenden Hilfsmitteln versuchen, zu vernünftigen Entscheiden zu gelangen. Mit all diesen Erfahrungen kann der betreffende Assistenzarzt respektive die Assistenzärztin besser abschätzen, ob die berufliche Zukunft eher im Spital oder in selbständiger Tätigkeit liegt.

Der Einblick in eine Allgemeinpraxis ist für die Weiterbildung junger Ärztinnen und Ärzte wichtig.

Finanziell sind die Vertretungen sehr einfach gelöst. Der Assistenzarzt/-ärztin erhält weiterhin den Lohn vom Bezirksspital Affoltern ausbezahlt, wo er in dieser Zeit auch angestellt bleibt. Vom Spital werden dem Praxisinhaber die entsprechenden Kosten und Sozialleistungen in Rechnung gestellt. Dank regelmässiger Beanspruchung eines Vertreters aus dem Bezirksspital durch einige Arztpraxen unseres Bezirkes gelang es sogar, eine zusätzliche Ausbildungsstelle zu schaffen. Es ist für die Assistenzärzte/-innen auch sehr interessant, den weiteren Krankheitsverlauf nach einem vorangegangen Spitalaufenthalt beobachten zu können oder gewisse Patienten bereits in einer Praxis vor dem Spitaleintritt kennengelernt zu haben. Diese wertvollen Erfahrungsmöglichkeiten werden von Ärzten und Ärztinnen in Weiterbildung sehr geschätzt und tragen neben dem persönlichen und kompetenten Arbeitsklima im Bezirksspital Affoltern zur Beliebtheit dieser Ausbildungsstellen bei.

Die Beurteilung durch einen anderen Arzt kann wertvolle neue Aspekte bringen.

Wenn Sie in der bevorstehenden Ferienzeit erkranken sollten und beim Besuch in „ihrer Praxis“ nicht wie gewohnt ihren langjährigen Hausarzt antreffen, so können Sie beruhigt sein. Auch wenn die jüngere Ärztin oder der noch jugendlich wirkende Arzt keine grauen Haare oder eine Glatze hat, ist mit diesem System für die nötigen Absicherungen und Erfahrungen im Hintergrund gesorgt. Bitte bedenken Sie auch, dass alle Berufsleute und Eltern irgendwann einmal ihre ersten eigenen Erfahrungen machen mussten und nur selten wahre Meister vom Himmel fallen. Manchmal kann es sogar für alle Beteiligten von Vorteil sein, wenn ein Problem unvoreingenommen und von anderen Personen neu beurteilt wird.

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Letzte Änderung: 19.06.2001

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