Aktuelles aus den Medien und dem Internet
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Wir als Ärztinnen... |
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Diese Artikel erschienen oder erscheinen auch im Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern am Albis und werden hier mit freundlicher Genehmigung der Redaktion und der Autorinnen und Autoren wiedergegeben. |
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Sonnenbrand für die Forschung Selbstversuche in der Medizin |
Dr. med. Elisabeth Simons
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Seitdem sich die Medizin in den letzten Jahrhunderten zu einer exakten Wissenschaft gewandelt hat, verlangen strenge Regeln nach Beweisen für die Stimmigkeit von Theorien und die Wirksamkeit von Therapien. Dafür braucht es Experimente, deren Durchführung nicht immer unumstritten war und ist. So ist es Gegenstand zahlreicher Diskussionen, ob Tierversuche überhaupt und wenn ja in welchem Ausmass sinnvoll sind. Untersuchungen an Menschen in sogenannten 'Klinischen Studien' dürfen heute in der westlichen Welt nur nach strenger Prüfung durch ethische Kommissionen und im Einverständnis mit den Untersuchten durchgeführt werden. Dies war nicht immer so und die Medizingeschichte kennt leider Beispiele für menschenverachtende Experimente an wehrlosen Gefängnis- und Lagerinsassen, nicht nur aus dem nationalsozialistischen Deutschland. |
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Es gab jedoch auch immer Wissenschaftler und Ärzte, die ihre Untersuchungen an sich selber durchführten. Diese Selbstexperimente waren und sind häufig verwegen und die Grenze zwischen Heldentum und Leichtsinnigkeit ist nicht immer klar zu ziehen. Wir profitieren aber heute von vielen Erkenntnissen, die unerschrockene Forscher bei der Untersuchung des eigenen Körpers gewonnen haben. Es gab aber auch zahlreiche Selbstversuche, die uns heute eher merkwürdig erscheinen und keinerlei bahnbrechende Folgen hatten. Einige Beispiele für solche Unternehmungen finden sich in der Entwicklung der Höhenmedizin. Theodor Egli-Sinclair (1844-1932), ein Zürcher Arzt, berichtete vom Mont Blanc, dass es recht schwierig war, wenn sie morgens mit vereisten Schnurrbärten aufgewacht waren, etwas Blut aus den vor Kälte starren Fingerspitzen zu entnehmen und dann möglichst ruhig statt vor Kälte zitternd am Mikroskop zu sitzen, um es zu untersuchen. Die Einhaltung des Versuchsplans war wichtiger als die Sicherheit der Expeditionsteilnehmer: Eine andere Gruppe wollte fünf Jahre später den Energieverbrauch in der Höhe untersuchen und unternahm dazu regelmässige 'Versuchsmärsche' von der Capanna Regina Margherita aus. Da diese Hochtouren fest ins Programm eingeplant waren, konnten schlechte Wetterverhältnisse die Durchführung zwar erschweren, nicht aber verhindern. Der Wiener Professor Arnold Durig (1872-1961) schrieb von seiner Monte Rosa Expedition: Am 19. August zeigte das Thermometer sogar 22°. Bei eisigem Sturm bahnten wir uns den Weg über den glattgefrorenen Hang trotz aller Warnungen des Kustoden in der Hütte, der unserem Beginnen kopfschüttelnd zusah. Für uns gab es aber nur eine Direktive, das Programm durchzuführen und wir waren froh, dass wenigstens das morgendliche Gewitter aufgehört hatte und die Gefahr des Blitzschlags nicht mehr bestand. (...) Sturm, Nebel und Neuschnee überraschten uns am 26. August morgens. Es schien aussichtslos die Hütte verlassen zu können. Trotz des Bewusstseins der grossen Gefahr siegte aber doch das Pflichtgefühl. Wir mussten einen Versuchsmarsch ausführen, es war darum auch alles Abreden und alle Warnung des wohlmeinenden Kustoden vergebens. Die unangenehmen Folgen genau entgegengesetzter Witterungsverhältnisse zog sich Durig einige Jahre später auf einer Höhenexpedition nach Teneriffa zu. Er wollte untersuchen, ob die intensive Sonneneinstrahlung im Hochgebirge die Atmung verändere und sich so die Wirkung des Höhenklimas auf die Tuberkulose erklären liesse. Zu diesem Zweck legte er sich nur mit der Badehose bekleidet und mit einem Gerät zur Gasanalyse der Atemluft verbunden auf ein Bett, das an der Südseite einer Berghütte aufgestellt war. Er erfuhr dann, wie kräftig die kanarische Sonne auf 3260 m Höhe brannte: Die Wirkung der Sonne war intensiv. Durig fühlte nicht nur während des Versuchs heftiges Brennen am Körper, besonderes aber an Brust und Oberschenkeln, sondern trug als Folge der Besonnung auch eine ziemlich schmerzhafte 'Verbrennung' der ganzen Vorderseite des Körpers davon, die zu Oedem und zur Blasenbildung auf Brust, Bauch und Beinen führte. (...) Unter der Wirkung von Anästhesinsalbe wurden die Schmerzen gemildert. Heute schütteln wir den Kopf über diese Art der Selbstgefährdung, die aus wissenschaftlicher Sicht wohl in dieser Art nicht erforderlich war. Das übergrosse Pflichtbewusstsein und die Bereitschaft für die Forschung auch zu leiden zeigen jedoch mit welcher Entschlossenheit wissenschaftliche Ziele verfolgt wurden. Schlussendlich sind im Fall der Selbstversuche die gleichen Eigenschaften für Dummheiten und Heldentaten verantwortlich. |
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