Aktuelles aus den Medien und dem Internet
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Wir als Ärzte... |
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Diese Artikel erschienen oder erscheinen auch im Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern am Albis und werden hier mit freundlicher Genehmigung der Redaktion und der Autorinnen und Autoren wiedergegeben. |
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Gesunde Natur? |
Dr. med. Heiner Lachenmeier |
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Beim Wort natürlich fühlt man sich schnell gesund, wohl, vertrauensvoll und denkt sich nur Gutes. Ist das die ganze Realität? Wie gehen wir mit diesem Begriff um, und was ist zu bedenken, wenn er in der Medizin benutzt wird? Vor 20-30 Jahren begann die Tendenz zurück zur Natur. Es war eine kleine Gruppe von Idealisten, die sich eingehend mit dem Natürlichen auseinander setzte. Mit ehrlichem Enthusiasmus und viel Elan wurde ein heilsames Gleichgewicht des Menschen zur Natur angestrebt. Viele idealistischen Bewegungen machen eine typische Entwicklung durch: einige der ursprünglichen Idealisten entfernen sich mit der Zeit vom anfänglichen Ideal. Parallel dazu wird dieses Ideal zum Schlagwort in der breiten Bevölkerung. Es wird unreflektiert gehandhabt und kann leicht zur Mode oder Ideologie verkommen. Das kann so weit gehen, dass eine differenzierte Auseinandersetzung mit der Thematik schnell als unstatthaft gewertet wird. Dazu ein paar Überlegungen. Natur ist gesund. Das lesen wir in zahlreichen Artikeln - und vor allem in der Werbung. Landauf landab werden natürliche Produkte angepriesen. Die Botschaft ist immer dieselbe: weil etwas natürlich ist, kann es nicht schädlich sein, sondern muss unwidersprochen als gut gelten. Ich muss zugeben, auch auf mich wirkt solche Werbung. Beim Wort natürlich fühle ich mich geborgen, sehe einen milden Sommerabend vor mir, spüre sanften Wind auf meiner Haut und rieche den Duft einer frisch gemähten Bergwiese. Meine Sinne sind geschmeichelt. Was will ich mehr? Nach kurzem Besinnen wird mir klar, dass dies so nicht stimmen kann. Eines der bekanntesten Naturprodukte, das von einer breiten Bevölkerungsschicht genutzt wird, ist der Tabak. So sehr ich selbst gelegentliche eine Pfeife schätze gesund ist Tabak überhaupt nicht. Wir alle wissen, dass er Schaden anrichtet. Täglich sterben in Deutschland 300 Menschen an seinen Folgen. Ähnlich verhält es sich mit Alkohol oder mit dem Sonnenbaden. Die Liste lässt sich beliebig verlängern und führt bis zum Fliegen- oder Knollenblätterpilz. Natur ist an sich weder gesund noch ungesund. Die Natur hat verschiedene Anteile, die je nach Menge und Situation heilen oder zerstören können. Das Gleichsetzen von natürlich mit unschädlich ist gefährlich Schauen wir uns etwa den Umgang mit den sehr beliebten Naturheilmittel an. Verstehen Sie mich recht. Es gibt diverse wertvolle Naturmittel. Mir geht es um den Schaden, den das unbeschwerte Gleichsetzen von natürlich mit unschädlich anrichten kann. Es hat u.a. dazu geführt, dass manche Patienten, die von sich aus ein Naturheilmittel konsumieren, sich nicht mehr bewusst sind, dass es sich trotzdem um ein Medikament handelt. Ein Medikament, das verschiedene Wirkungen und Nebenwirkungen haben kann. Genau so, wie es bei den synthetischen Medikamenten der Fall sein kann. Auch Naturheilmittel können Nebenwirkungen haben Wussten Sie zum Beispiel, dass verschiedene, ohne Rezept erhältliche, pflanzliche Antidepressiva Ihre Leber beeinflussen können? Wussten Sie, dass solche Mittel fünf Tage vor einer Operation abgesetzt werden müssen, da sonst nach der Operation eine erhöhten Thrombosegefahr (Blutgerinsel) besteht? Wussten Sie, dass verschiedene pflanzliche Mittel Ihren Stoffwechsel so beeinflussen können, dass andere Medikamente zu langsam oder zu schnell abgebaut werden, was zu Überdosierung bzw. zu Unterdosierung führt? Wussten Sie, dass 36 Stunden vor einer Operation kein Ginkgo mehr eingenommen werden darf, da sonst eine erhöhte Blutungsgefahr besteht? Ich denke, wir müssen uns vermehr klar werden, dass auch pflanzliche Mittel Medikamente sind. Und Medikamente sollen nur dann eingesetzt werden, wenn ein klarer Bedarf, eine Indikation besteht. Auch da ist Eigenverantwortung notwendig. Zu leicht fällt manchem der Griff zum Mittel. Die Werbemethoden der Naturheilmittel stehen da längst nicht mehr hinter den der übrigen Pharmawerbung zurück. Als Arzt möchte ich Sie auch bitten, informieren Sie Ihren Arzt immer auch über die von Ihnen eingenommenen pflanzlichen und anderen rezeptfreien Mittel. Nur so ist es möglich, die für Sie wichtige Sicherheit bei der Medikamenteneinnahme zu erlangen. Die Werbung für Naturheilmittel nutzt die gleichen Tricks wie die übrige Pharmawerbung Zum Schluss noch eine Anekdote, die meine Ausführungen verdeutlichen soll: Eine Nachbarin von mir litt an einer schweren Bronchitis und Lungenentzündung. Als ich sie vor dem Haus traf, wetterte sie: Schon den ganzen Winter nehme ich zur Vorbeugung das pflanzliche XY (ich nenn den Namen des Präparates nicht, da ich keine Anzeige will). Das war gut. Und jetzt, wo ich krank bin, hat mir mein Hausarzt sofort Antibiotika verschrieben, halt nur Chemie. Und obwohl ich die bereits zwei Tage nehme, ist nur das Fieber weg, aber ich muss noch immer husten. Sprach's - und nahm einen tiefen Zug aus der natürlichen - Zigarette. |
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